Anna Reibenspiess nicht zu bremsen

Nach 3,5 Wettkampfkilometern bricht sie in Würzburg Ulla Petzolts 25 Jahre alten Kreisrekord über 100 Meter Rücken

Zwei­ein­halb Ta­ge baye­ri­sche Meis­ter­schaf­ten mit vol­lem Wett­kampf­pro­gramm: Das war für al­le Be­tei­lig­ten schon ei­ne ge­wal­ti­ge Her­aus­for­de­rung, vor al­lem für die Ak­ti­ven. Re­kor­de blie­ben da­her Man­gel­wa­re.

Umso erfreulicher liest sich die Bilanz des SSKC Poseidon Aschaffenburg, dessen Akteure bei den Titelkämpfen in Würzburg mit einigen Glanzleistungen aufwarteten, acht neue Kreisrekorde aufstellten und in der Vereinswertung den beachtlichen zehnten Rang erreichten.

Auftakt nach Maß

Für einen Auftakt nach Maß sorgte Anna Reibenspiess (SSKC Poseidon Aschaffenburg), die in hervorragender Verfassung in elf Einzel- und drei Staffelrennen zum Einsatz kam und es dabei auf eine Schwimmstrecke von insgesamt 3650 m (!) brachte. Gleich in der ersten Entscheidung, dem 200 m-Lagenschwimmen, holte sie sich in einem engen Rennen mit einer starken zweiten Hälfte in 2:28,42 (1:09,69) Minuten den Sieg in der Jugendwertung (Jahrgang 2002 und jünger) vor der Münchnerin Amelie Zachenhuber (2:29,28) und ihrer Dauerrivalin Annalena Wagner (SG Mittelfranken – 2:29,33).
Noch im gleichen Abschnitt bestritt die junge Athletin aus Obernau auch die offen ausgeschriebenen 400 m Lagen. Als amtierende bayerische Jahrgangsmeisterin in dieser Disziplin teilte sie sich das Rennen hervorragend ein, verbesserte den von ihr selbst gehaltenen Clubrekord auf ausgezeichnete 5:11,48 Minuten und schwamm damit auf Platz vier.

Den Sieg holte sich Alina Hennl (SV 05 Würzburg) in 4:59,05 Minuten, deren Schwester Alena (TSG Kleinostheim) in 5:21,09 Minuten Rang sieben belegte. Alena verzichtete auf die Finalteilnahmen über 100 und 200 m Brust, brachte es aber dennoch auf insgesamt 13 (!) Starts. Ihre beste Platzierung schaffte die 17-Jährige im A-Finale über 200 m Schmetterling, wo sie mit 2:26,09 Minuten nahe an ihre persönliche Bestzeit herankam und in der offenen Klasse Vierte wurde. Den Sieg in der Jugendwertung holte sich mit neuer Hausmarke (2:31,32 (1:20,30) auch hier Anna Reibenspiess (Jg. 2002), ihre ein Jahr jüngere Trainingsgefährtin Cäcilia Bausback belegte in 2:38,44 Minuten Rang drei.
Diese hervorragende Platzierung schaffte mit 30,33 Sekunden im Sprint über 50 Meter auch Rückenspezialist Justin Arapaj (SSKC Poseidon), der außerdem auf allen drei Rückenstrecken das B-Finale erreichte. Lisa Diener (SSKC Poseidon) strich den Lohn für großen Trainingsfleiß ein, schwamm in ihrer Paradedisziplin 50 m Schmetterling als Sechste der Vorläufe mit 29,72 Sekunden persönliche Bestzeit und schlug im A-Finale in 30,02 Sekunden als Siebte an.
Danach glänzte erneut Anna Reibenspiess mit zwei Auftritten: Als Siegerin über 200 m Freistil (2:12,87) in der Jugendwertung, qualifizierte sie sich für das A-Finale der offenen Klasse, verbesserte sich da auf 2:11,51 Minuten und unterbot damit ihren erst vor kurzem aufgestellten Kreisrekord (2:12,09 Min.). Ihre Vorliebe für die langen Strecken demonstrierte sie im »Überprüfungswettkampf« über 1500 m Freistil, wo sie mit 18:12,27 Minuten den von Alina Hennl seit 2011 mit 18:23,94 Minuten gehaltenen Kreisrekord beträchtlich unterbot.
Ebenfalls als Gewinner im Poseidon-Team machte Coach Ehrhardt in Würzburg Anika Heinz (Jg. 2003) und Zugang Nils Haack (früher SC 13 Schweinfurt) aus. Beide empfahlen sich gleich mit mehreren neuen Hausmarken und starken Einsätzen in den erfolgreichen Staffeln. Letztere waren neben den von Anna Reibenspiess erzielten Topresultaten die Highlights der Poseidonen. Bereits am Freitag überzeugten Fabienne Krüger, Anna Reibenspiess, Lisa Diener und Cäcilia Bausback, als sie in überlegener Manier ihren Zeitlauf über 4 x 200 m Freistil gewannen und in der Endabrechnung hinter den Top-Clubs aus Würzburg (zwei Teams), München und Nürnberg (SG Mittelfranken) jedoch vor den höher eingeschätzten Teams aus Ingolstadt, Regensburg und Hohenbrunn-Riemerling in 9:13,31 Minuten (Schnitt: 2:18,3 Minuten!) Platz fünf belegten.

Und noch ein Rekord

Der ebenfalls von einem SSKC-Quartett gehaltene Kreisrekord stand seit 1998 bei 9:51,92 Minuten. Damit war der Rekordhunger der Schwimmerinnen vom Untermain jedoch noch nicht gestillt. Über 4 x 100 m Freistil schwammen Anika Heinz, Anna Reibenspiess, Lisa Diener und Fabienne Krüger in sehr guten 4:09,56 Minuten sensationell auf Platz vier. Die alte Marke stand seit 2015 bei 4:16,97 Minuten.
In der abschließenden Lagenstaffel ließen Anna Reibenspiess, Lisa Diener, Cäcilia Bausback und Anika Heinz nichts von Müdigkeit erkennen und steigerten die Rekordmarke aus dem Jahr 2015 (4:52,24) auf ganz beachtliche 4:48,21 Minuten. Von der Disqualifikation des Würzburger Quartetts profitierend, wurden sie Dritte und mit Bronze belohnt. Doppelte Freude bei der viel beanspruchten Anna Reibenspiess, die als Startschwimmerin mit 1:10,77 Minuten über 100 m Rücken den 25 Jahre alten Kreisrekord Ulla Petzolts (1:11,18 Minuten) verbesserte.
Auch die Poseidon-Männer starteten in der Besetzung Niklas Reibenspiess, Nils Haack, Justin Arapaj und Philipp Walter mit Rang fünf und neuem Kreisrekord (8:25,15 Minuten) über 4 x 200 m Freistil. Das gleiche Quartett leistete über 4 x 100 m Freistil der Konkurrenz im Kampf um Platz drei energischen Widerstand. Obwohl Schlussschwimmer Philipp Walter mit einer Zeit von 56,54 Sekunden über sich hinauswuchs, reichte es am Ende trotz neuem Kreisrekord (3:46,99 Minuten) nur zu Rang sechs. Bronze ging an den TSV Hohenbrunn-Riemerling (3:44,52) vor SC Wasserfreunde München (3:46,52).

Das Vorhaben, wie die Schwimmerinnen auch die Lagenstaffel mit einem Kreisrekord zu beenden, misslang (4:19,19 Minuten). Tom Ehrhardt: »Die Jungs waren einfach zu k.o. von den Vorbelastungen, um den sechsten Kreisrekord hinzubekommen«. Dieser steht weiter bei 4:13,38 Minuten.
Heinz Grasmann

In Würzburg geht es um die Bayerntitel

15 Akteure vom Untermain am Start

Von Frei­tag bis Sonn­tag wer­den im Würz­bur­ger Wolf­gang-Ada­mi-Bad die baye­ri­schen Meis­ter auf den Kurz- und Mit­tel­st­re­cken er­mit­telt und »Über­prü­fungs­wett­kämp­fe« auf den lan­gen St­re­cken (400 Me­ter La­gen, 800 und 1500 Me­ter Frei­s­til) durch­ge­führt.

Ein stattliches Aufgebot vom Untermain nimmt an den Titelkämpfen teil: Der SSKC Poseidon Aschaffenburg tritt mit elf Athleten an, die insgesamt 57 Starts und sechs Staffelrennen bestreiten werden. SG Elsenfeld (sieben Starts) und TSG Kleinostheim (neun) sind mit je zwei Akteuren vertreten.

Alena Hennl stark gefordert

Das umfangreichste Programm nimmt Alena Hennl (TSG Kleinostheim) in Angriff. Sie bestreitet im Brust- und Schmetterlingsschwimmen alle drei Distanzen und geht über 200 und 400 Meter Lagen an den Start. Bei Qualifikationen für durchaus realistische Teilnahmen an A- oder B-Finale kann da ein ordentliches Pensum zustande kommen.

Auch Poseidon-Coach Tom Ehrhardt mutet seinen Leuten einiges zu. Neben bis zu sieben Einzelrennen (Anna und Niklas Reibenspiess) sind auch noch die Staffeln zu bestreiten. Frauen und Männer treten jeweils über 4 x 100 und 4 x 200 Meter Freistil sowie über 4 x 100 m Lagen an. Ins Visier genommen sind wohl die Kreisrekorde.

Stefanie Göller, die zusammen mit Noelle Ronalter die SG Elsenfeld/Kleinwallstadt in Würzburg vertritt, sucht ihre Chance auf den Sprintstrecken, wo sie zuletzt in Kitzingen auftrumpfte. Heinz Grasmann